9. lgt - alpin - marathon

2008-06-14

Einfach reinschauen, ein paar Eindrücke nur von meinem ersten Alpinmarathon.

Klicke HIER & Du findest alle Österreicher, inklusive mir.

Eigentlich eine dumme Idee, sich über 42km zu quälen und dabei noch 1.800hm (im Anstieg) auf sich zu nehmen! Das höre ich relativ oft, wenn ich von meinen Unternehmungen erzähle. Aber ich kann halt nicht über meinen eigenen Schatten springen.

Tatsächlich gefällt es mir wirklich besser, durch die gebirgige Landschaft zu laufen, als auf unendlichen ebenen Asphaltflächen Kilometer zu fressen. Dies war mir relativ schnell selbst klar, und so hab' ich lange überlegt, was ich mit dieser Idee anfangen sollte.

Es sollte zwar die Jungfrau sein, aber ich hatte vor dem Strecken- (Höhen-) Profil doch erheblichen Respekt. Und so meldete ich mich in Liechtenstein an. Irgendwann bin ich dann allerdings dahintergekommen, dass das Profil beim "lgt" durchaus ähnlich ist. Alles eine Frage des Maßstabs auf der Grafik.

Nichts desto trotz habe ich mich gefreut und die Aufregung - ob und wie ich mich ins Ziel schleppen werde - nahm von Tag zu Tag zu.

 

Mit der besten Ehefrau von allen im Gepäck, gings dann quer durch Österreich bis Liechtenstein. Dort angekommen konnten wir uns noch ein bisschen akklimatisieren, haben am Vorabend zum Lauf noch den Sprecher kennengelernt, (er sollte die Veranstaltung im Ziel kommentieren) gut geschlafen und sind voller Anspannung zeitig morgens aus dem Bett.

 

Beim fälligen Frühstücksbuffett noch 2 bemerkenswerte Begegnungen:

1) Neben mir aß ein recht kurz gewachsener, glatzköpfiger Teutone älteren Semesters. Dieser war von sich aus schon recht auffällig. Aber dann noch sein durchdringendes Organ und dieses übertriebene Selbstbewusstsein mit dem er allen erzählte was diese nicht wissen wollten. Darüber hinaus fand ich vor geraumer Zeit ein youtube-Video in welchem dieser Kerl versucht eine Sperre zu durchbrechen, da er bei einem Berglauf die Mindestzeit überschritten hatte. Er im Delirium die Streckenposten mehr als entnervt - einfach lässig, ausser man ist dabei. (Sollte ich dieses Video wieder finden wird es sicher an dieser Stelle veröffentlicht)

2) Neben uns aß ein Päärchen er 50 Jahre alt, sie habe ich als Gentleman natürlich nicht nach dem Alter befragt. Sehr nette Schweizer, welche offensichtlich schon einige Erfahrung bei solchen Läufen gesammelt hatten. Um es kurz zu machen: 2km vor Schluss bin ich zu "Pesche" (schweizerisch für Peter) aufgelaufen und wir sind gemeinsam über die Ziellinie - ein schönes Erlebnis.

 

Dann aber ab durch die Mitte:

Der Start war auf einem Firmengelände, wobei die Schweizer ihr volles Improvisationstalent hinlegten: Umkleidekabinenen aus Plastik-Boxen "gemauert", Massageplätze in den LKW's (um vor Wind geschützt zu sein) mit Palettenaufgangsrampen ausgestattet. Das alles ist nur mehr in einem leichten Grauschleier in meiner Erinnerung vorhanden, da ich bereits etwas aufgeregt gewesen sein dürfte. Noch ein Foto vor dem Startbogen und dann in leichtem Lauf das Rheintal entlang. 12km bis ins Städtle (Vaduz) waren zum "Einlaufen" gedacht. Ich hielt mich treu an meine Taktik und ließ mich von einem relativ hohen Anfangstempo der Läufer, die ich als mit mir vergleichbar einschätzte, nicht beirren. Dies führte allerdings dazu, dass ich bei der ersten Zeitmessung praktisch letzter in meiner Klasse war.

Und dann noch ein veritables Verdauungsproblem. Ich war von km 8 bis km 12 schon sehr gekrümmt unterwegs und hatte in Vaduz nur einen Gedanken. Dort hatte ich dann großes Glück den am Vorabend kennengelernten Zielsprecher zu treffen. Dieser geleitete mich auf eine Baustelle die mit Mobil-WC's ausgestattet war.

Wieder Zeit aber auch Gewicht verloren. Dann gings weiter hinein in den ersten Anstieg. Dort wurde mir schnell klar, dass ich mich in einem Feld befand welches eine andere Zielzeit als ich anpeilte, da 90% der Kollegen bereits zu gehen begannen. Nicht mit mich! Immer brav den Puls unter 163 halten aber Durchlaufen war meine Devise. Das ging auch sehr gut, lediglich bei den Labstationen wurde halt gemacht. Leider war das Wetter leicht nebelig, sodaß der versprochene Panoramablick über das Rheintal ins Wasser fallen musste.

Aber der Blick - aus dem Wald kommend - hinauf nach Triesenberg war schon beeindruckend. Ca. 15 Serpentinen und eine Läuferschlange wie ich sie so noch nicht gesehen hatte. Und dazu noch die Zuseher an der Strecke. Deren Begeisterungsfähigkeit war wirklich aussergewöhnlich. Zum einen kam so mancher auf die Idee seine eigene Labstation aufzubauen. Ausserdem waren bereits viele Wanderer auf dem Weg, welche einem immer Mut für die nächsten Anstiege machen wollten.

Nach dem Ziel des sog. HM+ (28km) war auch bereits der erste Abstieg wieder absolviert und es ging in Richtung des höchsten Punktes der Strecke; dem Sassförkle. Hier läuft man über Almwiesen und Steige durch einen Einschnitt auf diese Passhöhe hinauf. Von unten hörte man seltsame Musik ins Tal dringen und die Läufer schoben sich auf einen mächtigen Pulk zusammen, da die Laufgeschwindigkeit - auf Grund der zunehmenden Steigung und des schwieriger werdenden Untergrundes - immer mehr abnahm.

Ich lief durch so lange es ging, aber es gab einen Punkt an dem man auch den Steig verlassen hätte müssen um überholen zu können. Da dies zu viel Kraft kosten würde, reihte ich mich in die Schlange ein und versuchte mich zu erholen. Nach dem Verlassen des Steiges ging es wieder auf eine Schotterstraße und hinauf auf's Sassförkle. Da sah man auch was es mit der Musik auf sich hatte. Eine Mitfünfzigerin stand im Dirndl auf einer Felskante und beschallte mit einem Alphorn das Tal. Geil ist ein Hilfsausdruck für dieses pitoreske Schauspiel. Durch diesen Eindruck war ich leicht abgelenkt und erkannte erst sehr spät, dass meine Frau am Sassförkle auf mich wartete und mich dort anfeuern wollte.

 

Zu diesem Zeitpunkt hat man wohl ca. 1500hm im Anstieg und 35km horiz. Entfernung in den Beinen. Das Ganze (bei mir) nach fast 4 Stunden Lauf. Ich war schwer beeindruckt dass es sich meine Frau nicht hatte nehmen lassen, den Anstieg vom Malbuner Talkessel (Ziel) bis auf's Sassförkle auf sich zu nehmen um mich an diesem neuralgischen Punkt der Strecke zu unterstützen.

 

Danach ging's hinunter nach Malbun. Mir wäre jetzt schon so viel eingefallen, was ich ihr gerne erzählt hätte, aber noch waren ja die letzten 7km vor mir. Der Abstieg nach Malbun war Erholung pur. Hier lief ich auch auf Pesche auf, den ich beim Frühstück kennengelernt hatte.

 

Aber das Beste kam ja noch:

Nach einem Kilometer sah man bereits den Zielbogen von Malbun und die Lautsprecheranlage beschallte den ganzen Kessel. Aber es war, wie sich herausstellte noch lang nicht vorbei. Denn man wurde ca 200m vor dem Zielbogen nochmals umgeleitet und man musste eine Runde um Malbun laufen. Der Herr Sprecher vom Vorabend hatte nicht unrecht, dass es psychologisch ganz schön brutal sein kann den Blick vom Ziel abwenden zu müssen und zu bemerken, dass die Streckenplaner als Highlight nochmals die Meute zur Bergstation des Sesselliftes hinaufschicken wollte. Aber was hilft da Jammern. Also mit letzter Kraft hinauf. Natürlich genießt man auf der gesamten Runde ein herrliches Panorama. Es geht über Schneefelder und man blickt immer wieder auf Malbun. Ausserdem gehts dann am letzten Kilometer ins Ziel nur mehr bergab und man läuft mit vernünftigem Tempo über die Ziellinie.

 

Wie gesagt, Hand in Hand mit Pesche und meine Frau wartete schon auf mich.

 

Was mir sonst selten passiert, aber ich war den Tränen nahe, da ich mir ja bis zum Ende nicht sicher sein konnte ob ich das schaffen würde. (Erfahrung hab' ich ja erst jetzt - ein kleines Bisschen)

 

Aber bereut habe ich dieses Erlebnis keine Sekunde - Im Gegenteil! Auch wenn im Ziel - nach kurzer Verschnaufpause und abklappern der Stände (essen, trinken, Finisher-Leiberl holen und gleich wieder umtauschen), duschen und umziehen - der Kreislauf die Arbeit beinahe einstellen wollte und ich ziemlich auskühlte.

 

Also ab durch die Mitte. Daunenjacke plus Pudelhaube wäre ein angemessener Dresscode gewesen. Hinein in den Bus. Hinunter nach Vaduz. Zurück ins Hotel und ab in die Sauna zum relaxen.

 

 

HEEEEEEEERLICH

 

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