17. Jungfrau Marathon
2009-09-05
Der Saisonhöhepunkt - endlich - ein Jahr Training sollte sich nun auszahlen. Diesmal das ganze ein bisschen anders. In der Folge siehst Du eine kleine aber feine Linkliste um Dir von der Berichterstattung einen Eindruck machen zu können.
Nur Geduld, zuerst noch ein paar Bildimpressionen und im Anschluss der Aufsatz: "Mein schönstes Ferienerlebnis"
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Also dann doch der Saisonhöhepunkt. Nach 9 Monaten Vorbereitung kam endlich der Tag der Abreise und das gefürchtete "wetter.com-was-hast-du-für-mich-parat-Gefühl". Nach den Erfahrungen in Zermatt mit Stress pur war die Reisplanung für den Jungfraumarathon ganz anders. Anreise mit dem PKW und Zwischenstopp samt sight-seeing in Luzern, welches sich selbst ganz bescheiden als "die schönste Stadt der Welt" bezeichnet.
Als wir am Donnerstag Abend in Interlaken ankommen wird erstmal die Gegend erkundet und ein erstes Beschnuppern des Startgeländes durchgeführt. Aufregung? Nie im Leben! Was kann schon sein. Ich bin ja bestens unterstützt von meiner Psychologin Pieber Sandra und Physiotherapeutin Nagenkögl Petra. Welcher Möchtegern-Bergläufer kann schon so einen Betreuerstab aufweisen? Muss man da überhaupt noch selber laufen?
Am Freitag - Starnummernabholung samt Marathon-Expo-Wahnsinn - und dann erst mal in den Zug hinein und das Umland besichtigen. Das Örtchen Lauterbrunnen mit dem Staubbachfall sollte Ausgangspunkt der Erkundung des Tales sein. Wir trafen uns mit Karl, der ebenfalls den MMC bestritt und fuhren mit der Seilbahn auf die Grütschalp, mit der Bahn weiter nach Mürren und dann per pedes wieder hinunter ins Tal und der "weissen Lütschine" entlang bis zu den Trümmelbachfällen. Also spätestens jetzt (von Mürren sieht man bereits nach Wengen) wurde der Respekt vor dem was da kommen mag ausreichend geschürt. Hunger haben wir ausserdem getankt (wie immer das auch funktioniert) und damit ab auf die Pastaparty. Dort fand dann das allgemeine Österreichertreffen am Biertisch statt. Als unsere Freunde aus Bern eintrafen haben wir einen ganzen Tisch gebraucht und es war ein netter Einstimmungsabend samt anschließendem, abendlichen Tiramisugemetzel beim Italiener unseres Vertrauens. Das war dann aber auch genug, denn der Mensch braucht vor der Anstrengung seinen Schlaf.
Jetzt war's also wirklich so weit. Die übliche Vorbereitung in der Früh funktioniert hier besser als sonst wo. Ganz Interlaken und der Rest der Region ist im Banne der Veranstaltung. Deshalb gibt's ungefragt Frühstück bereits ab 06:00 Uhr morgens und siehe da - fast nur Trainingsanzüge an den Tischen. Als wir um 08:00 Uhr - also eine Stunde vor dem Start - am Gelände ankommen bietet sich ein ungewöhnliches Bild. Es herrscht fast gespenstische Stille!!!??????? 4.000 Läufer und vielleicht 6.000 Betreuer, Helfer, Organisatoren und Zuseher und dann diese Ruhe. Beeindruckend. Am Start stehen an die 10 Alphornbläser und spielen Melodien die man irgendwo schon mal gehört hat. Davor eine Abordnung Fahnenschwinger in bedeutunsschwangerer, stolzer Pose. Da kann man schon leicht beeindruckt sein und bekommt Respekt auch wenn man noch nicht weiß was in den nächsten Stunden passieren wird. Vor dem Start dann wirklich Stille, denn die Schweizer Hymne wird gespielt. Tja die Schweizer. Ich glaub' die haben das mit dem Patriotismus erfunden. Dann erfolgt der Startschuss und nach einer Ehrenrunde um die HöheMatte im Gewühl der Starter, geht es aus Interlaken raus und entlang der Bahnstrecke in Richtung Lauterbrunnental. Nach Interlaken und einem kurzen Abstecher an den Brienzersee weiter nach Zweilütschinen und dann nach Lauterbrunnen. In jeder Ortschaft an jedem Bahnhof und praktisch an der gesamten Strecke ist Volksfeststimmung. Meine Recherche hat ergeben dass fast 20 Musikgruppen auftraten. Exklusive dem Damen-Pensionisten-Quartett aus Gsteigwiler an der Knöpferlharmonika.
Nach Lauterbrunnen wird man noch auf eine Ehrenrunde geschickt und dann hat sich's aber auch mit den flachen Kilometern. Denn jetzt beginnt der eigentliche Lauf. Und das ganze mit der sog. "Wand von Wengen". Man muss dabei auf Knapp 4km ca. 800hm überwinden und nach einer S-Schleife läuft man durch den Zielort der Lauberhornabfahrt. Auf diesem Streckenabschnitt trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Hier wird schon sehr viel gegangen, gestanden, durchgeatmet und regeneriert. Ausserdem wird hier bei der Streckenmarkierung umgestellt von km-Marken auf: Alle 250m ist eine Markierung samt Notrufnummern und GPS-Koordinaten. Wofür wohl.
Wer jetzt in Lauterbrunnen dachte hier ist Party an der Strecke der war noch nie in Wengen. Ich kenne zwar die Bilder der Tour de France nur aus dem Fernsehen aber man läuft hier in Wengen durch eine brodelnde Menschenmasse durch, die seines gleichen sucht. Dicht an dicht stehen die Zuseher, über Lautsprecher wird jeder Läufer namentlich erwähnt, Musik und Bierzelte säumen die Straßen und die Gasse zum durchlaufen schmilzt auf 2m Breite zusammen.
Nach Wengen folgt eine Passage von ca. 6km quer dem Berg entlang. Immer wieder gespickt mit kurzen aber intensiven Anstiegen, die einem nie viel Platz oder Zeit zur Erhohlung lassen.
Dann, nach der Wengernalp sieht man das erste Mal die beeindruckende Ansicht von Eiger, Mönch und Jungfrau. Wer kennt nicht den Mythos der EigerNordwand und die Geschichten die hier, wo praktisch der Alpinismus erfunden wurde, geschrieben wurden. Bevor man aber in den letzten und sicherlich anstrengensten Teil der Strecke kommt geht es noch mal ca. 50hm hinunter zur Skistation Wixi.
Dann aber nimmt das Verhängnis seinen - im wahrsten Sinne des Wortes - Lauf.
Denn ab hier heißt es ca. 4km den letzten Anstieg bis zur Gletschermoräne zu nehmen. Dann wird man auf die Moräne umgeleitet und es geht auf den höchsten Punkt der Strecke, die Locherflue. Als ich diesen Abschnitt passiere herrscht - Gott sei Dank - noch nicht Überfüllung. Denn ca. eine halbe Stunde bis Stunde später muss man sich hier bereits anstellen. Kein Wunder, denn die Geschwindigkeit nimmt angesichts der Steilheit und der bereits absolvierten Anstrengungen rapide ab und das Feld schiebt sich wieder dichter zusammen. Ausserdem muss man sich vorstellen, dass auf der Moräne nur Gänsemarsch möglich ist (Breite ca. 80cm) und es links und rechts relativ steil bergab geht und man sich wahrscheinlich auf dem Geröll nur schwer halten kann.
An der Locherflue steht dann der berühmte Schweizer der denkt ein Schotte zu sein und lässt jeden Läufer durch sein Spiel die Strapazen des Aufstieges vergessen. An der Biegung sowie an den vorher beschriebenen Streckenabschnitten sind ausserdem einige Wanderer welche die Läufer mit selbst mitgebrachter Schokolade und Getränken aufpeppeln.
Von der Locherflue geht es dann quer bis zu einem kleinen Durchstieg der in schweizer Fachkreisen "Schokipass" genannt wird. Denn dort stehen ebenfalls viele Wanderer mit Verpflegung für die Läufer und bereits erschöpfte werden über den Felsvorsprung nach unten gehoben. (Alles Eigeninitiative der Zuschauer). Dort stand auch meine beste Ehefrau von allen und hat mir für die letzten Meter nochmals Auftrieb gegeben.
Dann kommt die Belohnung. Durch einen Kordon von Menschen läuft man über Wiesen und Wegerl noch ca. 1km und 100hm bergab ins Ziel auf der berühmten Kleinen Scheidegg.
Medaille, Dusche, Linzertorte (???), und für mich 2 Leiberl, auf dass ich heuer nicht zum Fetzentandler meines Vertrauens muss.
Und dann noch Wetter, Leute, Panorama und das bunte Treiben geniessen.
Was für ein Saisonhöhepunkt.
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